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 Bericht über Infoabend vom 25. April 2003
im Clubheim und Bilder -->


Du kannst nicht sehen, was ich sage
Ich kann nicht hören, was du gebärdest
 

Neuwied. Der Kommunikationstreff für Gehörlose und Freunde hat am Freitag, den 25. April 2003 zu einem besonderen Vortrag im Clubheim für Gehörlose und Schwerhörige in Neuwied eingeladen. Über 80 Personen, darunter auch mehrere Hörende und Gäste aus Essen, Köln, Bonn u.a. waren anwesend, so dass der Raum im Clubheim kaum ausreichte.
Dr. Olaf Fritsche, freier Wissenschaftsjournalist aus Heidelberg, referierte zu dem Thema " Du kannst nicht sehen, was ich sage, - ich kann nicht hören, was du gebärdest". Zwei GebärdensprachdolmetscherInnen ( Herr Heumann aus Bad Hönningen und Frau Beilmann aus Essen ) sorgten dafür, dass Hörende und Gehörlose verstehen konnten.

Diese Veranstaltung konnte dank finanzieller Unterstützung vom Landesverband der Gehörlosen Rheinland-Pfalz e.V. durchgeführt werden.

Kursfassungstitel von Dr. Fritsche:
Hörende und Gehörlose wohnen zusammen im gleichen Haus, arbeiten in den gleichen Unternehmen und kaufen in den gleichen Geschäften ein. Trotzdem leben sie in völlig verschiedenen Welten. Beide Gruppen trennt nicht nur die Sprachbarriere – auch im sozialen Denken und Verhalten gibt es Unterschiede. Den jeweils anderen zu akzeptieren kann nur, wenn man ihn kennt. Dazu ist es notwendig, offen und ehrlich miteinander umzugehen. Ist das zwischen Hörenden und Gehörlosen möglich?

Um diese Frage kreiste Dr. Fritsches Referat weiter – Passen die Welten der Gehörlosen und Hörenden zusammen? Er redete über seine persönlichen Erfahrungen und suchte nach Gründen für diese Erfahrungen. Er betonte immer wieder, dass das "keine wissenschaftlichen Erkenntnisse seien. Andere Menschen können ganz andere Erfahrungen machen. Und hier beim Infoabend können andere Erfahrungen gesammelt und miteinander ausgetauscht werden."

Keine Ahnung und keine Ehrlichkeit- Was denken Hörende über Gehörlose?
Typische Frage von Gehörlosen an Hörende: "Was denken Hörende über Gehörlose?"
Seine Antwort: Die Hörenden haben am Anfang meistens keine Ahnung von der Gebärdensprache und Gehörlosenkultur. Sie denken, dass es Unterschiede nur im Hörvermögen gibt. Erste Kontakte von Hörenden zu Gehörlosen und deren Kultur gibt es z.B. bei VHS-Gebärdensprachkursen oder durch Filme wie "Jenseits der Stille". Danach wollen Hörende mehr mit Gehörlosen zusammensein, z.B. für Hilfeleistungen u.a. Jedoch fühlen sich viele Gehörlose dadurch bevormundet. Auch wenn die Hörenden nicht perfekt die DGS ( Deutsche Gebärdensprache ) beherrschen, versuchen sie oft ihre neuen Entdeckungen in Form von sogenannten " Sozialarbeitern und Dolmetschern" umzusetzen. Das sind typische beispielhafte " Karrierewege" in der Gehörlosenwelt. Sie glauben an echte Freundschaften zu Gehörlosen und fühlen sich später ausgenutzt von den Gehörlosen. Sie sind enttäuscht und bezeichnen das dann als totalen Mangel an Ehrlichkeit.

Und was denken Gehörlose über Hörende? – Wollen Gehörlose eigentlich Kontakt zu Hörenden?
Viele Hörende wollen nur die Gebärdensprache lernen, um bessere berufliche Möglichkeiten zu haben, aber viele kennen leider nicht die Gehörlosenkultur. Wer sind wir eigentlich? Die meisten Hörenden reden unter sich über die Gehörlosen, aber ohne Gehörlose zu fragen. Dadurch fühlen sich Gehörlose ausgenutzt. Aber Gehörlose wollen den Kontakt zu Hörenden, aber sie wünschen sich eine andere Art von Kontakt. Schließlich gab es zu diesem Teil des Vortrags eine Diskussion.

In der Pause gab es an der zweiten Minitheke eine Auswahl an zahlreichen Weinen. Die Weine kamen vom Weingut Lunnebach aus Güls bei Koblenz, die unser Teammitglied Johannes Bildhauer besorgt hat. Ein anderes Teammitglied, Dorty Klein, hat als Mini-Vesper Pizzarette angeboten, die in wenigen Minuten vergriffen waren.

Nach der Pause wurden von Dr. Fritsche weitere Themen angesprochen:

Gleichberechtigung ist schwer- für beide Seiten

  • Freiwillige Ausnutzung- Wer nutzt eigentlich wen aus ?
  • Schleichende Abhängigkeit- Wollen Gehörlose wirklich gleichberechtigt sein? Sind Hörende wirklich bereit, Gehörlose als gleichberechtigt anzusehen?
  • Konkurrenz um den Heiligenschein- Wem gehören die "Gehörlosen"?
  • Eigene und fremde Nester beschmutzen – Dürfen oder sollten wir ehrlich sein?

Zum Schluss gab es eine lange Diskussion zwischen den Hörenden und den Gehörlosen. Besonders das Thema " Fühlen sich Gehörlose von Hörenden bevormundet" wurde diskutiert.

Nach dem Infoabend waren noch erstaunlich viele Leute bis zum späten Abend im Clubheim geblieben, auch einige Hörende sind noch lange geblieben. Man sieht schon – beide Gruppen gehen langsam aufeinander zu, verstehen einander und akzeptieren sich.

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