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Die Dresdner Bank
berät ohne Worte
Robert Davis ist Deutschland ungewöhnlichster Banker.
Vor sechs Jahren verlor er sein Gehör. Heute berät er in Gebärdensprache
hörgeschädigte Kunden an der Düsseldorfer Königsallee.
Wenn Robert Davis aus seinen Daumen und den Zeigefingern ein Quadrat formt,
hat er gerade ein Konto verkauft. Wenn er mit den Händen eine
Zickzack-Bewegung nach oben und unten macht, spricht er über die Börse. Und
wenn er anschließend noch den Kopf in die Hände legt, erklärt er die
Vorteile eines Aktienfonds: "Sie können ruhig schlafen..."
Zum Arbeitsplatz von Deutschlands ungewöhnlichstem Banker in der Filiale an
der noblen Königsallee in Düsseldorf weist ein grünes Schild mit einem
durchgestrichenen Ohr. Dort sitzt Davis und redet mit seinen Kunden,
allerdings in einer Sprache, die nur Augen verstehen: Der 46-Jährige ist
Berater für Hörgeschädigte.
Robert
Davis ist einer von etwa 560 Millionen Hörbehinderten weltweit |
Die
Finanzsprache ist nicht leicht in Gebärden zu übersetzen, hier das
Zeichen für "Bank" |
Früher: ständig am Telefon
Vor sechs Jahren handelte Davis für Privatkunden noch mit Futures und
Optionen, 80 Prozent seiner Zeit arbeitete er mit dem Telefonhörer in der
Hand: Kaufen! Verkaufen! Halten! Irgendwann wurden die Stimmen der Menschen
in der Leitung immer leiser.
"Nach und nach begriff ich, dass mein Gehör nachlässt", erzählt der
46-jährige. Diagnose: Cholesteatoma, eine Krankheit, die den Großteil des
Hörvermögens raubt. Für Davis ein Schock: "Man fällt in ein tiefes Loch. Es
war schwer für mich zu akzeptieren, mit dieser Behinderung leben zu müssen.
Ich machte mir auch Sorgen, wie meine Umwelt, meine Familie darauf reagieren
werden."
Nicht mehr auf den Gebärdendolmetscher warten
Doch der
gebürtige Engländer nahm den Kampf gegen sein Schicksal auf: Er lernte die
Gebärdensprache – und nahm sich vor, in seinen Beruf zurückzukehren. Sein
Ziel: Bei der Dresdner eine Bankberatung für Menschen mit schweren
Hörproblemen einzuführen. Denn sie müssen normalerweise mit einem
Dolmetscher für Gebärdensprache zu ihrer Bank kommen – und dafür bis zu drei
Wochen warten, bis sie einen Termin wahrnehmen können.
"Zuerst war ich eher skeptisch, was die Idee von Robert Davis anging", gibt
Heribert Bohnen, Vorsitzender der Geschäftsleitung Personal Banking in der
Region Rheinland/Düsseldorf zu. "Als ich dann aber erfuhr, dass es alleine
in Nordrhein-Westfalen 1,7 Millionen Menschen gibt, die hörgeschädigt sind,
war ich überzeugt. Denn Bankgeschäfte sind schließlich Vertrauenssache."
Einziger Berater für Hörgeschädigte in Deutschland
Heute ist die Dresdner das
einzige deutsche Kreditinstitut, dass einen Beraterplatz für hörgeschädigte
Kunden hat. Mittlerweile ist Davis nicht mehr nur in Düsseldorf im Einsatz,
sondern wird von Filialen im ganzen Rheinland angefordert.
"Gerade bei Geldgeschäften spielen der persönliche Kontakt und das Vertrauen
eine sehr große Rolle", erklärt er. "Vor allem junge, hörgeschädigte
Menschen, die ins Berufsleben einsteigen, brauchen eine umfassende Beratung.
Schließlich werden in dieser Phase die Weichen für das ganze Leben
gestellt."
Fachsprache in Gebärden übersetzen
Die Fachsprache von Banken und
Versicherungen in Gebärden zu übersetzen ist dabei nicht so leicht. "Häufig
muss ich einen Begriff wie Riester-Rente erst buchstabieren", so Davis.
"Danach legt man dann spontan das 'R' für Riester als Gebärde fest. Ich
merke aber am Gesichtsausdruck sofort, ob ein Kunde wirklich alles
verstanden hat."
Und wer glaubt, dass es zwischen Düsseldorfern und Kölnern wenigstens in der
Gebärdensprache keine Missverständnisse geben kann, irrt: Die Gebärde, die
in Düsseldorf die eigene Stadt bezeichnet, bedeutet in Köln Donnerstag. "Die
Dialekte in meiner Region", so Davis, "hab ich mittlerweile aber alle
drauf."
Kontaktmanagement für Hörgeschädigte bei der Dresdner Bank
- Dresdner Bank AG
Region Rheinland
Kontakt Manager für Hörgeschädigte
Kunden Center
Königsallee 37
D-40212 Düsseldorf
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